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Mit modernen Produktionssystemen und neuen Technologien ist der internationale Handel gewachsen und hat sich weiter ausgebreitet – und damit haben Logistik und städtische Verteilsysteme an Bedeutung gewonnen. Das Logistiknetz reicht von den Produktionslinien über Landesgrenzen und den Seetransport bis in die Geschäfte. Nach einem langen Weg über Land legen die Waren schließlich noch viele Kilometer auf den Straßen der Städte zurück. Diese Transporte wirken sich erheblich auf die Nachhaltigkeit aus. Durch die häufigen Be- und Entladevorgänge bei der Zustellung auf der letzten Meile verringert die Stadtlogistik die Straßenkapazität; die Folge sind Staus, ein höherer Energieverbrauch und mehr Luftverschmutzung. Angesichts der Treibhausgasemissionen in den Innenstädten ist es wichtig, diese Auswirkungen zu verringern.
Logistik auf der letzten Meile
Entlang der Lieferkette werden Produkte zu Lagern, auf Schiffe und zu verschiedenen Standorten transportiert. Bis zum endgültigen Zustellort setzt sich ihr Weg dann im Stadtverkehr fort. Der Weg eines Produkts vom Lagerregal bis zur Haustür des Kunden ist die letzte Etappe der Zustellung und wird als „letzte Meile“ bezeichnet. Den Transport auf dieser Etappe nennt man Logistik auf der letzten Meile (Last-Mile-Logistik). Sie folgt anderen Abläufen als die übrigen Transportstufen. Untersuchungen zufolge entfällt mehr als die Hälfte der Versandkosten auf diese Etappe, denn die letzte Meile ist im Vergleich zu den anderen Stufen sowohl die teuerste als auch die zeitaufwendigste. Weil sie dem Kontakt mit dem Kunden am nächsten ist, hängt sie zugleich am stärksten mit den Kundenerwartungen zusammen. Mit dem wachsenden Nachhaltigkeitsbewusstsein verlangen Verpackung und Transportbedingungen auf dieser Etappe zunehmend nachhaltigere Lösungen.
Warum Nachhaltigkeit auf der letzten Meile wichtig ist
Die Bevölkerung in den Städten wächst, immer mehr Fahrzeuge sind unterwegs, und die Staus nehmen zu. Dadurch erreichen die Treibhausgasemissionen von Tag zu Tag besorgniserregendere Ausmaße, und ihre Folgen werden sich in naher Zukunft weiter verschärfen. Je mehr Fahrzeuge in der städtischen Verteilung unterwegs sind und je stärker die Emissionen steigen, desto schwieriger wird der Kampf gegen den Klimawandel. Weil Unternehmen und Gesellschaft dafür zunehmend sensibilisiert sind, ist Nachhaltigkeit in der Logistik auf der letzten Meile heute wichtiger denn je.
Der Verkehr gilt als zweitgrößte Quelle von Treibhausgasemissionen. Die Umweltauswirkungen in diesem Bereich der Logistik zu verringern, ist deshalb dringend geboten und das wichtigste Handlungsfeld, in dem Unternehmen Verantwortung übernehmen müssen. Neben den Umweltaspekten lassen sich auch in anderen Bereichen der Nachhaltigkeit Strategien umsetzen, die unterstützen, Anreize setzen und Bewusstsein schaffen. So können Unternehmen ihre Maßnahmen auf der letzten Meile auch in Bereichen wie Beschäftigung, Engagement für lokale Gemeinschaften und soziale Gerechtigkeit strategisch steuern.
Die Logistik zählt zu den wichtigsten Funktionen im Arbeitsablauf. Wer hier – und besonders auf der letzten Meile – nachhaltige Verfahren einführt, entwickelt einen umweltbewussten Ansatz: Natürliche Ressourcen werden geschont, und alternative Methoden senken die Emissionen. Deshalb ist es wichtig, dieses Ziel mit verschiedenen Strategien zu verfolgen.
Strategien für mehr Nachhaltigkeit auf der letzten Meile
Eine der wichtigsten Strategien betrifft die Verpackung, die in logistischen Prozessen eine große Rolle spielt. Es gilt, weniger Verpackung zu verwenden, auf recycelte Materialien zu setzen und dafür zu sorgen, dass Verpackungen nach Gebrauch recycelt werden. Ungeeignete Verpackungen können die Umweltbelastung erhöhen, nachhaltige Verpackungsmaterialien dagegen verringern die Abfallmenge und steigern die Recyclingquote. Mit biologisch abbaubaren oder recycelbaren Materialien etwa können Unternehmen ihre Umweltauswirkungen deutlich verringern. Minimalistische Verpackungen im Industriedesign, Grafiken und Logos, die weniger Druckfarbe benötigen, und eine Verpackung, die beim Transport möglichst wenig Platz einnimmt, senken die Logistikkosten. Der globale Konzern IKEA beispielsweise gestaltet seine Verpackungen nach genau diesem Prinzip. So fällt beim eingesetzten Rohmaterial weniger Abfall an, und vorhandene Ressourcen werden effizienter genutzt. Das ist ein bedeutender Gewinn – ökologisch wie wirtschaftlich. Je energieeffizienter Unternehmen arbeiten und je besser sie ihre Transportprozesse optimieren, desto stärker können sie ihre Kosten senken, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschafft.
Herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gehören zu den größten Quellen von Treibhausgasemissionen. Elektro- und Hybridfahrzeuge statt fossiler Brennstoffe sind eine wirksame Strategie, um dieses Problem zu lösen. Eine weitere wichtige Strategie besteht darin, die Kundenerwartungen zu lenken und Verbraucher zu ermutigen, umweltfreundliche und nachhaltige Produkte zu wählen. Unterstützen Unternehmen dies mit ihrem gesellschaftlichen Engagement (Corporate Social Responsibility), steigt auch die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen. Ebenso wichtig ist es, die Gesellschaft und benachteiligte Gruppen zu unterstützen. Wer sich für lokale Gemeinschaften engagiert, Arbeitsplätze schafft und zu sozialer Gerechtigkeit beiträgt, steigert das Ansehen des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Angebote wie ein kostenloser Versand für Einkäufe aus Katastrophengebieten können zum Beispiel die Kaufentscheidungen beeinflussen.
Einige Großstädte ergreifen mit dem Ziel eines nachhaltigen innerstädtischen Ökosystems verschiedene Maßnahmen, um Staus und Umweltbelastung zu verringern. Ein wichtiges Beispiel sind die Umweltzonen „Low Emission Zone“ (LEZ) und „Ultra Low Emission Zone“ (ULEZ), die die Londoner Stadtverwaltung 2008 und 2019 eingeführt hat. In London zahlen Fahrzeuge, die bestimmte Emissionsgrenzwerte nicht einhalten, eine zusätzliche Gebühr. Zudem wird seit mehr als zwanzig Jahren in dem 21 km² großen Gebiet mit besonders reger Geschäftstätigkeit eine Staugebühr (Congestion Charge) erhoben, und der Radverkehr wird gezielt gefördert, um Staus zu entlasten. Gegen Staus und Luftverschmutzung in Städten bieten sich außerdem Zustellungen per Fahrrad und zu Fuß an, mit denen sich Sendungen auf der letzten Meile mit geringeren Emissionen ausliefern lassen. Fußzustellung ist vor allem in Gebieten mit vielen Fußgängern eine schnelle und umweltfreundliche Alternative. Wichtig ist auch, dass Logistikunternehmen mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, die auf Nachhaltigkeit setzen; so werden Ressourcen effizienter genutzt. Viele Einkaufsplattformen fördern heute die „nächstgelegene Abholstation“, an der Kunden Sendungen auf ihrem üblichen Weg abholen oder Rücksendungen abgeben können. Marketingkampagnen, die lokale Verteil- und Abholstellen bewerben, unterstützen diesen Ansatz zusätzlich.
Damit die Logistik auf der letzten Meile nachhaltiger gestaltet wird, muss das allgemeine Bewusstsein für das Thema wachsen. Vor allem globale Unternehmen, Einkaufsplattformen und alle mit ihnen verbundenen Unternehmen jeder Größe sollten die Präferenzen ihrer Kunden verantwortungsbewusst lenken. Moderne Systeme und intelligente Lösungen auf Basis neuer Technologien werden sich in dem Maße verbreiten und durchsetzen, wie das kollektive Bewusstsein wächst.
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