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Die Transformation durch künstliche Intelligenz (KI) beschleunigt sich auf allen Ebenen. Inzwischen prägen weniger die Entwickler dieser Technologien als vielmehr ihre Anwender die wirtschaftliche Wirkung. Entsprechend wird diskutiert, ob KI, die jede Branche verändert, auch Entlassungen nach sich zieht und manche Berufe sogar ganz verschwinden lässt. Zwar gehen viele davon aus, dass KI bestimmte Tätigkeiten übernehmen wird, doch einige Fachleute erwarten auch positive Effekte durch neue Berufsfelder. Deshalb stellt sich seit Langem dieselbe Frage: Ist KI für die Entlassungen verantwortlich?
Ist KI der Hauptgrund für Entlassungen?
Die Pandemie und ihre Folgen, steigende Zinsen als Antwort auf die hohe Inflation sowie die Bemühungen von Unternehmen, angesichts globaler Konjunkturabschwächung und Unsicherheit zu schrumpfen oder Kosten zu senken, lösen Entlassungen aus. Hinzu kommen globale Spannungen, Lieferkettenkrisen, der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie das Vorgehen Israels in Palästina, die für eine unübersichtliche und angespannte Lage sorgen. Gleichzeitig spielen der technologische Fortschritt und der Wettlauf der Unternehmen um Investitionen in diese Entwicklungen eine wichtige Rolle. Weil Unternehmen auf KI und Automatisierung setzen, um Arbeit effizienter zu verteilen und auf mehreren Ebenen zu sparen, ist auch die Zahl der Entlassungen gestiegen.
Das Jahr, das viele Technologieunternehmen zum „Jahr der Effizienz“ erklärt hatten, endete für zahlreiche Beschäftigte mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes. 2023 und das laufende Jahr waren die Jahre mit den meisten und dichtesten Entlassungswellen. Besonders auffällig war, dass große globale Unternehmen und Marken, vor allem in den USA und Europa, beschlossen, Personal abzubauen. Mit der Zeit schließen sich Dutzende weitere Unternehmen an, darunter auch weltweit führende Konzerne.
Was die Daten über den Einfluss von KI auf Entlassungen zeigen
Aktuelle Studien zu den Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt belegen einen tiefgreifenden Wandel. Nach den Daten von Layoffs.fyi, die Entlassungen in der Technologiebranche erfassen, haben 2023 insgesamt 1.192 Technologieunternehmen 263.180 Beschäftigte entlassen. In den ersten 4 Monaten des Jahres 2024 trennten sich knapp 300 Technologieunternehmen von mehr als 78.500 Mitarbeitenden. Zu den Unternehmen, die in diesem Jahr Entlassungen angekündigt haben, gehören globale Konzerne wie Amazon, Google, Twitch, eBay und Riot Games.
44 % der Unternehmen, die 2024 KI einsetzen oder dies für das kommende Jahr planen, erwarten, dass der KI-Einsatz sicher (21 %) oder wahrscheinlich (23 %) zu Entlassungen führt. In derselben Umfrage gaben 37 % der Unternehmen, die KI bereits nutzen, an, 2023 wegen KI Personal abgebaut zu haben – mehr als jedes dritte Unternehmen hat diesen Schritt also schon vollzogen (ResumeBuilder).
Automatisierung steht bei KI-bedingten Entlassungen im Vordergrund
Während die einen befürchten, dass KI unabhängig vom Menschen arbeiten und mit der Zeit die Kontrolle übernehmen könnte, vertreten manche Fachleute auf Basis von Studien die Gegenposition. Laut einem PwC-Bericht könnten Fortschritte in der KI das weltweite BIP bis 2030 um bis zu 14 % steigern, also um mehr als 15 Billionen US-Dollar. Manche erwarten zudem, dass mit dem Fortschritt in allen Bereichen auch der wirtschaftliche Wohlstand wächst. Dennoch wirkt sich KI auf die Beschäftigung in allen Branchen aus, von der Fertigung über den Handel bis zu weiteren Dienstleistungen, und dürfte sie neu ordnen. Berichte des Weltwirtschaftsforums zeigen, dass Fertigung, Einzelhandel und Gesundheitswesen am stärksten von KI-bedingten Entlassungen betroffen sind. Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums werden bis 2027 42 % der beruflichen Aufgaben vollständig automatisiert sein. Bei datenbasierten Tätigkeiten soll dieser Anteil 65 % erreichen. In Ländern mit niedrigem Einkommen sieht es anders aus: Dort gelten nur 26 % der Tätigkeiten als von KI bedroht.
KI und Automatisierung haben die Arbeit am Fließband stark verändert. Laut einer aktuellen Studie gehen rund 40 % der automatisierungsbedingten Entlassungen auf Automatisierungsfähigkeiten zurück, die durch KI entstanden sind. Bis 2030 könnten rund 20 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion durch Automatisierung verloren gehen.
KI-gestützte Automatisierung verändert nicht nur Produktionsabläufe, sondern auch Entscheidungsprozesse. 96 % der Unternehmen, die KI nutzen oder 2024 einführen wollen, legen Wert auf KI-Erfahrung und halten entsprechende Vorkenntnisse von Bewerberinnen und Bewerbern für sehr hilfreich (65 %) oder etwas hilfreich (31 %).
Was KI-bedingte Entlassungen für Beschäftigte und Belegschaften bedeuten
Nach einer Ipsos-Studie ist der Anteil derjenigen, die erwarten, dass KI ihr Leben in den nächsten rund 5 Jahren spürbar verändert, von 60 % auf 66 % gestiegen. 52 % der Befragten geben an, dass KI-Produkte und -Dienste bei ihnen Unbehagen auslösen; dieser Wert ist gegenüber 2 Jahren zuvor um 13 % gestiegen. Die Befragung in den USA zeigt: Mit der Nutzung von KI wächst auch die Sorge.
KI verändert den Arbeitsmarkt. Da der Einfluss von KI auf die Arbeitswelt schnell zunimmt, ist zu erwarten, dass sich der Wandel sowohl durch Entlassungen als auch durch neue Aufgabenzuschnitte weiter beschleunigt. Wer sich fragt, wie sich diese Folgen bewältigen lassen, muss in die Qualifikation der Belegschaft investieren. Beschäftigte kommen heute nicht mehr darum herum, KI-Kompetenzen aufzubauen und sich offen weiterzubilden. Einfaches Programmieren, der Umgang mit KI-Systemen, Datenanalyse und das Zusammenspiel verschiedener KI-Anwendungen gehören zu den ersten Feldern, in denen sich Beschäftigte für neue, durch KI entstehende Rollen qualifizieren können. OpenAI-CEO Sam Altman setzt dabei einen anderen Akzent: In einer Welt, in der alle Zugang zu KI haben, müssten Beschäftigte und andere Gruppen die wertvollsten Fähigkeiten der Zukunft anders definieren. Kritisches Denken, Kreativität und das Gespür dafür, was Menschen wollen, werden seiner Ansicht nach in einer von KI gestärkten Zukunft am meisten zählen.
Wie sich Beschäftigte gegenüber KI weiterentwickeln können
Wer mit den Veränderungen durch KI Schritt halten will, braucht kontinuierliches Lernen und Weiterentwicklung. Es reicht nicht mehr, das eigene Können auf gewohnte Weise einzusetzen; es muss an die Neuerungen der Zeit angepasst werden. Beschäftigte sollten Innovationen und neue Technologien verfolgen, sie in ihre Arbeit übertragen und so dauerhaft dazulernen. Ebenso wichtig ist berufliche Flexibilität: Wer seine Laufbahn flexibel aufbaut, kann sich nach einem Jobverlust schnell umstellen und neue Chancen nutzen. Wissen und Erfahrung in mehreren Feldern statt einer einzigen Spezialisierung sowie Hobbys, die sich zu einer Fachkompetenz entwickeln können, erhöhen diese Flexibilität.
KI und Data Science gehören zu den gefragtesten Kompetenzen der heutigen Arbeitswelt. Wer sich in Datenanalyse, maschinellem Lernen und Programmierung weiterbildet, kann seinen Arbeitsplatz sicherer machen. Dafür bieten sich Präsenzkurse, Seminare und Schulungen ebenso an wie Plattformen wie Coursera, Udemy und LinkedIn Learning. Die Kurse und Zertifikate dieser Anbieter sind wichtige Quellen, um diese Fähigkeiten zu erwerben. Auch Online- und Präsenzprogramme von Universitäten und Bildungseinrichtungen kommen infrage. Mentoring und Coaching durch erfahrene Fachleute können zudem Orientierung für den eigenen Berufsweg geben. Neue Fähigkeiten zu lernen und vorhandene Kompetenzen über Weiterbildungsprogramme aktuell zu halten, sollte weniger als Pflicht denn als selbstverständlicher Teil des Lebens gelten.
Kreatives und kritisches Denken zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten unserer Zeit. Laut OpenAI-CEO Altman werden kritisches und kreatives Denken in naher Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen und zum entscheidenden Unterschied werden, weil dann alle KI-Technologien nutzen. Diese Fähigkeiten und menschlichen Denkweisen, die KI noch nicht nachahmen kann, sind für die Entwicklung und Präsentation neuer Projekte wichtiger geworden. Wer kreativ Probleme löst, wird für sein Unternehmen wertvoller. Innovative Lösungen für Geschäftsprozesse zu entwickeln, ist ebenfalls ein klarer Vorteil. Und wer bei Entscheidungen analytisch denkt und so strategische, wirksame Lösungen findet, sichert seinen Arbeitsplatz zusätzlich.
Qualifizierung gewinnt an Bedeutung, ob mit Unterstützung des Arbeitgebers oder aus eigener Initiative. Unternehmen und Regierungen müssen Bildungsprogramme entwickeln und in entsprechende Projekte investieren, um den Erwerb von Fähigkeiten zu fördern, die der Arbeitsmarkt braucht. Damit sich die Belegschaften an diesen Wandel anpassen können, werden Umschulungs- und Weiterbildungsprogramme künftig noch wichtiger. Nicht nur Beschäftigte, auch Unternehmen und Regierungen müssen ihre Haltung zur Weiterbildung ändern und eine Vision entwickeln, die sich schnell an Neuerungen anpasst.
Hauptquellen: https://www.greataiprompts.com/guide/ai-jobs-statistics/#ai-jobs-statistics-at-glance-top-data https://www.rappler.com/technology/features/stanford-university-ai-index-report-2024-findings/ https://aiindex.stanford.edu/report/ https://explodingtopics.com/blog/ai-replacing-jobs https://contentdetector.ai/articles/ai-replacing-jobs-statistics/ https://www.inventiva.co.in/trends/how-ai-is-reshaping-employment-what-are-the-statistics-and-insights-for-2024-on-job-losses-due-to-ai/




