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Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen übertrifft alle Erwartungen. Die Automobilindustrie stellt ihre Produktion darauf ein – doch ein globales Problem erreicht ein kritisches Ausmaß: die Batterie. Selbst wenn die Infrastrukturprobleme in Produktion und Lieferkette gelöst werden, dürfte sich die Rohstoffknappheit in naher Zukunft weiter verschärfen. Experten zufolge wird die eigentliche Krise der Automobilbranche bei der Batterieversorgung entstehen, und sie dürfte sich in den kommenden Jahren noch zuspitzen. Die Automobilindustrie galt zuletzt als die Branche, die am stärksten unter der globalen Halbleiterkrise gelitten hat. Die Batteriekrise ist jedoch weitaus größer, und Fachleute rechnen damit, dass sie die Branche tief erschüttern wird. Laut einem Bericht von Allianz Trade könnte die Chipkrise die europäische Automobilindustrie bis zu 100 Milliarden Euro kosten – im Vergleich zur Batteriekrise sei das aber noch harmlos.
Engpässe bei der Batterieversorgung
Ob Smartphone oder Laptop: Die Hochtechnologie setzt auf Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion), die ohne Lithium nicht auskommen. Mit über 90 % des globalen Marktes für Netzspeicher war Li-Ion lange die beliebteste Speichertechnologie. Geschätzt wurden die Akkus vor allem, weil sie Energie sehr effizient speichern. Inzwischen haben sie jedoch an Ansehen verloren, weil der Rohstoff Lithium nicht umweltfreundlich ist. Immer mehr Menschen wissen, dass der Abbau großer Lithiumvorkommen enorme Mengen Wasser verbraucht und in der lokalen Bevölkerung zu erbitterten Konflikten um Wasser führt. Daten zufolge werden für die Gewinnung einer Tonne Lithium 2,2 Millionen Liter Wasser benötigt. Gleichzeitig tragen Kraftstoffe erheblich zur Klimakrise und zu den CO₂-Emissionen bei – und machen den breiten Umstieg auf Elektrofahrzeuge unumgänglich.
Studien zufolge entfallen rund 27 % aller Emissionen auf den Verkehr. Fossile Brennstoffe werden weltweit in großen Mengen eingesetzt und setzen bei der Verbrennung Kohlendioxid frei. Dadurch steigt der CO₂-Gehalt der Atmosphäre, was Luftverschmutzung und Klimakrise weiter antreibt. Den Angaben zufolge werden weltweit jährlich rund 37 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus fossilen Quellen ausgestoßen, der größte Teil davon in Asien. Mit dem wachsenden Bewusstsein für die Klimakrise mussten die großen Autohersteller mehr in Verbraucherforschung investieren und nach wirksamen Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel suchen.
Die Automobilindustrie hat sich längst den Elektrofahrzeugen zugewandt, die als Beitrag zum Klimaschutz stark gefragt sind und als wichtiger Ausweg aus der Klimakrise gelten. Der entscheidende Faktor für ihre Produktion und Verbreitung ist jedoch die Batterie. Deshalb fließen weiterhin enorme Summen in die Ladeinfrastruktur sowie in Forschung, Entwicklung und praktische Lösungen für die Batterieproduktion. Im Kampf gegen die Klimakrise bleibt aber keine Zeit, auf langfristige Entwicklungen zu warten: Maßnahmen müssen weltweit so schnell wie möglich greifen. Das führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei der Batterieproduktion und bei der Beschaffung von Rohstoffen und Komponenten. Am Ende entstehen Engpässe in Einkauf und Lagerhaltung, die die gesamte Industrie treffen. Experten sind sich deshalb einig: Verglichen mit der Batteriekrise wird die Chipkrise ein Klacks gewesen sein.
Maßnahmen zur Sicherung der Batterieversorgung
Viele Autohersteller verfügen über jahrzehntelange Erfahrung im Management großer Lieferketten. Dennoch stehen sie den massiven Engpässen bei Rohstoffen und Komponenten für die Elektrofahrzeugproduktion machtlos gegenüber. Einige Hersteller haben die Krise jedoch früh erkannt und mit großen Investitionen vorgesorgt.
Tesla ist für die Gigafactory Nevada, in der Batteriezellen und weitere Komponenten für Elektrofahrzeuge gefertigt werden, eine wichtige Partnerschaft mit dem Weltkonzern Panasonic eingegangen. Außerdem investiert Tesla nach eigenen Angaben in seine Partner unter den Batterieherstellern, um die Rohstoffversorgung zu sichern, und hat mit der Produktion eigener Batteriezellen begonnen. Für 2030 plant das Unternehmen 20 Millionen Fahrzeuge und eine Batterieproduktion von schätzungsweise 2 Terawattstunden.
Volkswagen will nach eigenen Angaben über zehn Jahre mehr als 100 Milliarden Dollar in seine weltweiten Produktionslinien für Elektrofahrzeuge investieren. Zudem kündigte der Konzern Partnerschaften an, um Batteriefabriken in Europa und Amerika zu errichten und bestimmte Vorprodukte und Rohstoffe schon jetzt zu bevorraten.
Ford Motor kündigte an, 50 Milliarden Dollar in die Produktion von Elektrofahrzeugen zu investieren und eine Batterieproduktion von mindestens 240 Gigawattstunden anzustreben. Bis 2030 will die Marke 3 Millionen Fahrzeuge produzieren.
Mercedes Benz plant 47 Milliarden Dollar für die Produktion von Elektrofahrzeugen sowie Forschung und Entwicklung ein und strebt eine Batterieproduktion von 200 Gigawattstunden an.
BMW, Stellantis und General Motors haben jeweils Investitionspläne von mindestens 35 Milliarden Dollar für die Fahrzeug- und Batterieproduktion vorgelegt. Die wichtigste Ankündigung zur Batterieproduktion kam von Stellantis: Das Unternehmen strebt bis 2030 eine Batteriekapazität von 400 Gigawattstunden an.
Auch Rivian verfolgt nach eigenen Angaben eine ähnliche Strategie: Das Unternehmen ist Partnerschaften mit zahlreichen Lieferanten eingegangen und will die Entwicklung eigener Batteriezellen weiter vorantreiben.
US-Präsident Joe Biden unterzeichnete den „CHIPS and Science Act“ (Creating Helpful Incentives to Produce Semiconductors), um die heimische Produktion zu stärken, und rief Japan zur Zusammenarbeit in der Fertigung auf. Während globale Unternehmen nach gemeinsamen Lösungen für die Produktion suchen, sind die geplanten Investitionen in diesem Bereich vielversprechend.
Ausblick auf die Batterieversorgung
Laut Studien waren im vergangenen Jahr weltweit 7,5 Millionen Elektroautos unterwegs, und allein in Europa wurden 4 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft. In der Türkei liegt die Zahl derzeit bei 6.000 Elektroautos. Für viele Länder, allen voran in Europa, wird erwartet, dass sich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor künftig nicht mehr verkaufen lassen. Dafür müssen allerdings zunächst die Kosten für Elektrofahrzeuge sinken. Zugleich wird diskutiert, ob Probleme wie die im Vergleich zu heutigen Verbrennern geringere Reichweite, die geringe Zahl an Ladepunkten und die Versorgungsengpässe eine ernste Krise auslösen werden. Weltweit arbeiten Autohersteller daran, das Netz an Ladestationen auszubauen. In der Türkei gibt es inzwischen Ladestationen in allen 81 Provinzen; bis die Infrastruktur auch die Landkreise erreicht, wird es jedoch noch etwas dauern. Rivian geht auf Basis eigener Prognosen davon aus, dass sich die Batteriekrise in den nächsten 20 Jahren weiter verschärfen wird. Hoffnung machen Solarprojekte, Forschung und Entwicklung sowie Vorhaben, weltweit rund 1 Terawatt installierte Solarleistung nutzbar zu machen. Wie sich diese Entwicklungen auf die Automobilindustrie auswirken und wie sich die Mobilität verändert, wird die Zeit zeigen.
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