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CASE aus Sicht der digitalen Transformation: Mobilität in der Automobilbranche
Nachhaltigkeitsziele im Zeichen des Klimawandels, technologischer Fortschritt sowie veränderte Gewohnheiten und Erwartungen der Kundschaft machen die digitale Transformation in der Automobilbranche unausweichlich. Die Erstausrüster (OEMs) gründen im Zuge zahlreicher Kooperationen neue Einheiten und treiben Zukunftsinvestitionen voran. Zwar sind die Fahrzeuge wegen der Herausforderungen in der Entwicklungsphase noch nicht reif für den Massenmarkt, doch Forschung und Entwicklung laufen auf Hochtouren. Sobald vernetzte, autonome, geteilte und elektrische Fahrzeuge – in der Branche kurz CASE genannt – tatsächlich massenmarkttauglich sind, werden die Karten für Marktteilnehmer und Betriebsabläufe neu gemischt. Wie gut die OEMs diese digitale Transformation meistern, wird über ihre künftige Stellung am Markt entscheiden.
Was sind CASE-Fahrzeuge?
Die Automobilbranche steht vor einer tiefgreifenden digitalen Transformation: Sie entwickelt sich über das klassische Fahrzeuggeschäft hinaus hin zu digitalen Plattformen, auf denen zahlreiche Cloud-Anbieter, Produktlieferanten und Technologiedienstleister zusammenkommen. Viele Baugruppen und Teile von Verbrennerfahrzeugen werden in Elektroautos und in autonomen Fahrzeugen, die als nächster Technologieschritt gelten, nicht mehr gebraucht. Möglich wird der Aufstieg der CASE-Fahrzeuge durch anspruchsvolle digitale Technologien wie Cloud, künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT). Die klassische Automobilindustrie, in der Billionen Dollar bewegt werden, verschmilzt mit neuen digitalen Technologien und Innovationen zu einem Mobilitätsökosystem. Die Hersteller stellen ihre Geschäftsprozesse in hohem Tempo um und richten ihre Investitionen auf die digitale Transformation aus, um neue Geschäftsmodelle und Services zu entwickeln. Entsprechend aufmerksam werden die Entwicklungen in der Automobilwelt und die unterstützenden Technologien verfolgt.
**Vernetzte Fahrzeuge: **Als „vernetztes Fahrzeug“ gilt jedes Fahrzeug mit Internetverbindung. Aktuelle vernetzte Fahrzeuge arbeiten in einem gemeinsamen Netz, das aus miteinander verbundenen Routern besteht. Mit den inzwischen weltweit verbreiteten 5G-Netzen lässt sich theoretisch schon mit einem einzigen Modul eine enorme Bandbreite erreichen. Fachleute erwarten, dass Mobilfunktechnologien wie 5G und 6G den Weg für hochsichere Anwendungen des autonomen Fahrens ebnen – durch breitbandige Kommunikation mit niedriger Latenz und eine enge Zusammenarbeit, bei der Fahrzeuge ihre Sensordaten untereinander austauschen. Vor allem im Flottenmanagement ermöglichen vernetzte Fahrzeuge einen koordinierten Betrieb. Davon profitiert insbesondere die Straßenlogistik als wichtiger Akteur der Lieferkette.
**Autonome Fahrzeuge: **Autonome Fahrzeuge gelten als Spitze der Automatisierungstechnik; ihr Endziel ist das fahrerlose Fahren. Je nach Funktionsumfang werden sechs Stufen des autonomen Fahrens unterschieden:
Stufe 0: Keine Automatisierung, das Fahrzeug wird vollständig vom Fahrer gesteuert. Stufe 1: Grundlegende Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Bremsassistent oder Tempomat.
Stufe 2: Beschleunigen, Bremsen und Lenken übernimmt das Fahrzeug selbst; der Fahrer beobachtet lediglich das Umfeld.
Stufe 3: Das Fahrzeug überwacht das Umfeld selbstständig und kann vor Hindernissen bremsen. Bei Hindernissen wie unebener Fahrbahn oder schlechtem Wetter muss der Fahrer eingreifen.
Stufe 4: Die heute erreichte Stufe. Alle Fahrfunktionen laufen autonom. An Extremszenarien wird gearbeitet, ein endgültiger Durchbruch steht aber noch aus.
Stufe 5: Vollautomatisierung ohne jeden Fahrereingriff. Für diese Stufe, in der es keinen Fahrer mehr gibt, braucht es Innovationen beim Training von Machine-Learning-Modellen.
**Geteilte und elektrische Fahrzeuge: **
Anders als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor benötigen Elektrofahrzeuge weder Erdöl noch daraus gewonnene Kraftstoffe: Ihr Elektromotor wird aus Akkupaketen mit Lithium-Ionen- oder ähnlichen Zellen gespeist. Über die App einer Sharing-Plattform auf dem Smartphone und gemeinsam genutzte Ladesäulen an bestimmten Stationen sind sie günstiger als herkömmliche Fahrzeuge mit fossilem Antrieb. Weil sie zudem keine CO₂-Emissionen verursachen und damit umweltfreundlich sind, gelten sie heute als Zukunftstechnologie schlechthin.
Die CASE-Ära in der Automobilbranche und ihre Zukunft
Kritische globale Themen wie Nachhaltigkeit und verändertes Kundenverhalten verleihen der Automobilindustrie eine völlig neue Dimension. In der CASE-Ära stehen mit einer Mobilität, deren Infrastruktur und Vernetzung auf künstlicher Intelligenz beruhen, neue Geschäftsmodelle bereit. Einem Bericht von McKinsey zufolge werden digitale Services bis zum kommenden Jahr 46 Prozent des Umsatzwachstums der Automobilbranche ausmachen. Angesichts dieser Entwicklung dürfte die Branche in den 2020er-Jahren an einem völlig anderen Punkt ankommen. Um diesen Wettlauf zu bestehen und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Automobilunternehmen ihre Transformation auf mehrere Bausteine stützen: Agilität in IT-Infrastruktur und Betrieb, Kundenbindung in Echtzeit, gemeinsame Einheiten für die Zusammenarbeit untereinander und ausbaufähige Serviceangebote.
Viele Automobilhersteller richten ihre Innovationsstrategien an der digitalen Transformation aus, die das Automobil grundlegend verändert. Das Beratungsunternehmen PwC prognostiziert, dass der Anteil des klassischen Fahrzeug- und Ersatzteilverkaufs sowie des Aftersales am Gesamtgewinn bis 2030 von 70 Prozent auf 55 Prozent sinkt, während der Anteil neuer Gewinnquellen von 5 Prozent auf 25 Prozent steigt. Wie gut den Automobilmarken die digitale Transformation gelingt, wird maßgeblich bestimmen, welchen Platz sie künftig am Markt einnehmen.
Nach Angaben der Boston Consulting Group gehen in Europa bei Unternehmen, die Teile für Verbrennerfahrzeuge herstellen, 500.000 Arbeitsplätze verloren, während bei Zulieferern emissionsfreier Fahrzeuge der neuen Generation 300.000 Arbeitsplätze entstehen. Da KI viele Aufgaben rund um ihren eigenen Einsatz im Fahrzeug vereinfacht, verändern sich die Anforderungen in diesem Bereich; neue Spezialisierungen und spezifische Dienstleistungen entstehen. Qualifizierte Fachkräfte werden damit wichtiger, und parallel zur Transformation bilden sich neue Berufsbilder heraus.
Das Modell, ein Fahrzeug für einige Jahre zu kaufen und es danach weiterzuverkaufen, wird an Bedeutung verlieren. Fachleute erwarten, dass Fahrzeuge künftig über digitale Vertriebswege und monatliche Bezahlmodelle angeschafft werden. Diese neue Phase, in der auch Versicherung, Reparatur und ähnliche Aftersales-Leistungen in Monatsraten bezahlt werden und sich die Ausstattung der Fahrzeuge rasch ändert, wird als dritte Welle der Automobilindustrie bezeichnet.
Die digitale Transformation wird die gesamte Branche neu ordnen und zugleich helfen, mehrere aktuelle Probleme wie Batterie- und Chipkrise oder hohe Energiekosten zu lösen. Weil künftige Innovationen vor allem über Software entstehen, wird sich der Wandel weiter beschleunigen. Unternehmen müssen ihre Abläufe und ihre Belegschaft auf dieses Tempo und diese Entwicklungstiefe einstellen. Auch bei den Automobilzulieferern werden neue Geschäftsmodelle, Services und Methoden nötig, ebenso ein deutlich höheres Tempo und mehr Flexibilität im Betrieb. Ein tiefgreifender Umbruch steht bevor, in dem sich Unternehmen über neue Geschäftsmodelle, Kooperationen, Fachkompetenzen und Produkte voneinander abheben. Profitieren werden diejenigen, die sich mit der richtigen Strategie und den richtigen Investitionen konsequent für die digitale Transformation öffnen.




